Warum hat VoIP immer noch nicht den Durchbruch in Unternehmen?

Im Blog „Ich sag mal“ von Gunnar Sohn, findet sich ein schöner Artikel zu dem Thema „Wie VoIP sind wir???? Keine belastbaren Daten über den VoIP-Einsatz in Unternehmen“ der mich motiviert hat diese Zeilen zu schreiben.

Ich möchte daher aus meiner Sicht als Berater zu Unified Communications und langjähriger VoIP Nutzers berichten.

Die Kernfrage für mich lautet: “Warum nutzt nicht jedes Unternehmen heute schon VoIP als grundlegende Technologie?”
Leider sind an diesem Dilemma verschiedene Akteure beteiligt und jeder dieser Akteure hat seinen eigenen Blickwinkel  auf das Thema VoIP. Unternehmen trauen dem „Braten“ nicht, denn es ging doch bisher auch ohne Veränderungen, TK Installateure haben oftmals erschreckend wenig Ahnung von VoIP, weil das ja „böse Daten“ sind, mit denen Sie bisher nichts zu tun hatten und auch nichts zu tun haben wollten. Zu guter Letzt möchten einige Hersteller auch gern noch die herkömmlichen ISDN Systeme verkaufen, anstatt das „große Fass VoIP“ bei dem Kunden aufzumachen. Ein ebenfalls interessanter Aspekt findet sich auf Seiten der Carrier. Diese verkaufen viel lieber noch die üblichen ISDN Leitungen, da das Geschäftsmodell hinlänglich bekannt ist und wenige Fragen aufwirft.

Meiner Meinung nach, ist vor allen Dingen das enorme Unwissen über die Technologie VoIP ein wesentlicher Hinderungsgrund für einen schnelleren Durchbruch in den Unternehmen. Daneben wurde VoIP von vielen Unternehmen lediglich mit Einsparungen in Bezug auf die Gesprächsminuten (Telefonkosten) verstanden und nicht als die neue Transportschicht für eine zeitgemäße Kommunikation. Wie in so vielen anderen Bereichen auch, heißt es erstmal „Das geht doch gar nicht und wenn dann nur mit schlechter Qualität“. Das hier aber bereits neue Verfahren wie WideBand VoIP bzw, HD VoIP im Einsatz sind, die eine bessere Sprachqualität als ISDN erlauben, wird gern vergessen.

In unseren Workshops sehe ich immer wieder Unternehmer, die ganz große Augen bekommen, wenn Ihnen einmal vollumfänglich erklärt wird, wie die Zusammenhänge zwischen Sprache und Daten wirklich sind und wo sich dann die realen Einsparungen und Verbesserungen ergeben. Ja, es ist komplex, aber genau darin liegt auch das Veränderungspotential. Wenn dann verstanden wird, dass die Mitarbeiter kommunizieren sollen und nicht nur telefonieren, dass weitere Veränderungen wie eine Visualisierung der Verfügbarkeit und die Zusammenarbeit in Echtzeit an einem Dokument über Standorte hinweg keine Zukunftstrends mehr sind, tut sich eine neue Dimension auf. Dabei ist VoIP lediglich der grundlegende Transport der Sprache.

Generell ist für eine ordentliche Nutzung von VoiP im Unternehmen nicht eine völlige Erneuerung der IT notwendig, doch müssen genau wie bei der Nutzung von ISDN bestimmte Grundlagen vorhanden sein, damit die Performance stimmt.

Als neutrale Berater haben wir gerade eine anonyme Anfrage an verschiedene TK-Anbieter gestellt und nach einer neuen Infrastruktur für ein typisches Unternehmen mit mehreren Standorten gefragt. Hier ist es wirklich Interessant zu sehen, wie viele der „üblichen“ Reseller lieber schnell noch eine herkömmliche Anlage verkaufen, proprietäre Telefone mit „Steinzeit Protokollen“ verwenden, damit der Kunde ja nicht auf die Idee kommt, andere Produkte einzusetzen als die überteuerten Produkte aus dem eigenen Portfolio des Anbieters. Dieses Geschäftmodell mit Knebelvertrag ist tot, aber es fallen immer wieder Unternehmen darauf rein und wundern sich, dass Sie am Ende mehr zahlen und weniger Leistung und noch weniger Qualität erhalten. Ganz davon zu schweigen, dass der Hinweis auf Folgekosten und notwendige Funktionen wie CTI, fehlt und ebenfalls im Nachgang teuer bezahlt werden muss.

Der Weg zu einem anderen Arbeiten muss jedes Unternehmen selber gehen und gehen wollen. Veränderungen in Deutschland sind immer schwer realisierbar, wir alle halten oftmals an dem Bekannten fest und so auch in unserem Kommunikationsverhalten. Eigentlich möchte man nur mit einer anderen Person sprechen, doch wir rufen mehrere Nummern an und nicht die Person. Das Verfahren hat sich aber etabliert und wird sich nur langsam ändern. Gleiches gilt für das Telefon. Es ist nicht notwendig, ein teueres Gerät, was heute nichts anderes ist als ein kleiner Computer auf seinem Schreibtisch stehen zu haben, um mit jemanden zu sprechen. Hierzu genügt ein Hörer oder eine Hör-Sprechgarnitur (Headset) am PC. Nur dieser massive CHANGE will nicht in jeden Kopf.

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4 comments

  1. […] belastbaren Daten über den VoIP-Einsatz in Unternehmen“ und Detlev Artelt in seinem Artikel „Warum hat VoIP immer noch nicht den Durchbruch in Unternehmen?“ etwas geschrieben. Dieses Thema, vor einigen Jahren noch ein Hype, heute hat man eher den […]

  2. Ich denke mal, dass VoIP-Lösungen heute schon etwas mehr im Kommen sind. Viele Unternehmen stellen um, und ich denke, dass auch noch viele andere diesem Beispiel folgen werden. Wenn man schon als Privatperson eine so große Fülle an Angeboten hat, dann kann man sich ja denken, was auf unternehmerischer Basis passiert.

    1. Hi Mirko, wir schreiben das Jahr 2014 und “Ob VoIP” sollte eigentlich keine Frage mehr sein,,,, Bei Interesse an dem Thema freue ich mich über einen Kontakt via http://www.aixvox.com

  3. Michaelp · · Reply

    Gerade im Jahr 2014 sollten wir doch etwas vorsichtiger mit unseren Daten umgehen, erst recht mit Firmen internen. Kein Wunder, dass sich bisher nur wenige über diese Hürde getraut haben. Oder sehe ich da etwas falsch?

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